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Ist Holotropes Atmen gefährlich? — Eine ehrliche Einordnung

Holotropes Atmen ist eine intensive Atemtechnik, die in den 1970er Jahren von Stanislav und Christina Grof entwickelt wurde. Bei professioneller Begleitung und korrektem Screening gilt die Methode als sicher. Wie jede tiefgreifende Erfahrungsmethode hat sie jedoch klare Kontraindikationen und erfordert einen seriösen Rahmen. Hier eine ehrliche Einordnung.

Ich will ehrlich mit dir sein. Holotropes Atmen ist intensiv. Es kann emotional herausfordernd sein, körperlich ungewohnt und manchmal auch konfrontierend. Genau deshalb ist die Frage, ob es gefährlich ist, berechtigt. Und genau deshalb verdient sie eine differenzierte Antwort statt einer pauschalen Beruhigung.

Was passiert beim Holotropen Atmen im Körper?

Beim Holotropen Atmen wird durch beschleunigtes Atmen mehr CO2 abgeatmet als üblich. Dadurch verschiebt sich der pH-Wert im Blut leicht in den alkalischen Bereich. Dieser Zustand, die sogenannte respiratorische Alkalose, ist der Grund für viele der körperlichen Empfindungen während einer Sitzung. Am häufigsten berichten Teilnehmer:innen von einem Kribbeln in Händen und Füßen, manchmal auch im Gesicht. In manchen Fällen kann es zu einer sogenannten Tetanie kommen, einer vorübergehenden Verkrampfung der Hände oder Füße. Das kann sich befremdlich anfühlen, ist aber physiologisch gut verstanden und klingt nach der Sitzung von selbst wieder ab.

Kann ich etwas falsch machen?

Was viele nicht wissen: Der Körper hat ein natürliches Sicherheitssystem. Die respiratorische Alkalose ist reversibel und reguliert sich, sobald das Atemmuster sich normalisiert. Der Körper kann nicht in einen Zustand geraten, aus dem er nicht von selbst zurückfindet. Trotzdem ist es wichtig, diese Vorgänge zu verstehen, bevor man sich auf eine Sitzung einlässt.

Häufige körperliche Empfindungen während einer Sitzung

  • Kribbeln in Händen, Füßen und Gesicht
  • Wärme- oder Kältegefühle
  • Vorübergehende Muskelspannung (Tetanie)
  • Emotionale Intensität (Weinen, Lachen, Wut)
  • Verändertes Zeitempfinden

All diese Empfindungen sind vorübergehend und klingen nach der Sitzung ab.

Wann ist Holotropes Atmen wirklich riskant?

Es gibt klare Kontraindikationen, bei denen Holotropes Atmen nicht durchgeführt werden sollte. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von verantwortungsvollem Umgang mit einer intensiven Methode. Seriöse Anbieter:innen klären diese Punkte vor dem Seminar ab.

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Die veränderte Atemfrequenz beansprucht das Herz-Kreislauf-System. Bei Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder nach einem Herzinfarkt ist Holotropes Atmen nicht geeignet.
  • Epilepsie: Die Hyperventilation kann die Krampfschwelle senken.
  • Schwangerschaft: Die intensiven körperlichen und emotionalen Prozesse machen eine Teilnahme während der Schwangerschaft ungeeignet.
  • Akute psychotische Episoden: Bei einer akuten Psychose oder instabilen psychiatrischen Zuständen ist Holotropes Atmen kontraindiziert.
  • Frische Operationen oder Verletzungen: Starke Muskelspannung und intensive Körperarbeit können bei frischen Operationen problematisch sein.
  • Ablösung der Netzhaut oder Glaukom: Der erhöhte Augeninnendruck durch intensives Atmen kann hier riskant sein.

Eine vollständige Übersicht findest du in unserem Artikel zu Risiken und Sicherheit beim Holotropen Atmen.

Wie sorgen seriöse Anbieter:innen für Sicherheit?

Der wichtigste Faktor für die Sicherheit beim Holotropen Atmen ist nicht die Methode selbst, sondern der Rahmen, in dem sie stattfindet. Es gibt große Unterschiede zwischen Anbieter:innen, und es lohnt sich, genau hinzuschauen. Ein professionelles Setting umfasst mehrere Ebenen der Sicherheit:

  • Screening vor dem Seminar: Seriöse Anbieter:innen führen vor der Teilnahme ein Gespräch oder einen Fragebogen durch, um Kontraindikationen auszuschließen. Das ist kein bürokratischer Akt, sondern echte Fürsorge.
  • Multiprofessionelles Team: Die Begleitung sollte mindestens eine:n Psychotherapeut:in umfassen. In unseren Seminaren arbeiten wir immer zu dritt, mit einem festen Team aus erfahrenen Begleiter:innen.
  • Sitter-System: Jede:r Atmer:in hat während der Sitzung eine:n persönliche:n Sitter:in. Diese Person ist ausschließlich für dich da und kann im richtigen Moment die richtige Unterstützung geben.
  • Nachbetreuung und Integration: Ein gutes Seminar endet nicht mit der Atemsitzung. Die Verarbeitung und Integration des Erlebten ist mindestens so wichtig wie die Sitzung selbst.
"Der Prozess weiß, wohin er will. Unsere Aufgabe ist es, den Raum dafür zu halten und sicherzustellen, dass jeder Mensch gut begleitet ist."

Was solltest du vor einer Holotropen Atemsitzung beachten?

Neben der Wahl einer seriösen Anbieter:in gibt es einige Dinge, die du selbst tun kannst, um gut vorbereitet in eine Holotrope Atemsitzung zu gehen:

  • Sei ehrlich beim Screening: Wenn du Vorerkrankungen hast oder Medikamente nimmst, teile das mit. Es geht nicht darum, dich auszuschließen, sondern darum, den richtigen Rahmen für dich zu finden.
  • Komm ausgeruht: Eine Holotrope Atemsitzung ist kein Wellness-Event. Dein Körper und deine Psyche werden gefordert. Ein guter Schlaf vorher hilft.
  • Iss leicht: Ein voller Magen ist ungünstig. Iss einige Stunden vorher nur etwas Leichtes.
  • Keine Substanzen: Alkohol, Drogen oder übermäßiger Koffeinkonsum vor einer Sitzung sind tabu.
  • Plane Zeit für danach ein: Nach einer intensiven Sitzung brauchst du Raum. Plane keinen stressigen Termin direkt im Anschluss. Der Prozess arbeitet oft noch Stunden oder Tage nach.

Wenn du dir unsicher bist, ob Holotropes Atmen für dich geeignet ist, lies unseren Artikel Für wen ist Holotropes Atmen geeignet?

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Sicherheit ist bei uns kein Nebenthema

In unseren Seminaren begleitet dich ein erfahrenes, multiprofessionelles Team. Jede:r Teilnehmer:in wird vorher gescreent und während der Sitzung persönlich begleitet. Wenn du Fragen hast, melde dich gerne.

Hinweis: Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich bitte an deine Ärzt:in oder Therapeut:in.