Holotropes Atmen ist eine erfahrungsorientierte Methode der Selbsterforschung, die in den 1970er-Jahren von dem Psychiater Dr. Stanislav Grof und seiner Frau Christina Grof entwickelt wurde. Durch eine beschleunigte, vertiefte Atmung in Kombination mit evokativ eingesetzter Musik und gezielter Körperarbeit können Teilnehmer:innen in einen veränderten Bewusstseinszustand gelangen, der Zugang zu tieferen psychischen Schichten ermöglicht. Die Wirkung umfasst körperliche, emotionale und transpersonale Erfahrungsebenen, die in über 50 Jahren klinischer Dokumentation beschrieben wurden.
Durch die beschleunigte Atmung verändert sich der CO2-Gehalt im Blut, was zu einer sogenannten respiratorischen Alkalose führt: Der pH-Wert des Blutes steigt leicht an. Dieser Vorgang ist biochemisch gut verstanden und hat direkte Auswirkungen auf das Nervensystem: Die Erregbarkeit bestimmter Nervenzellen verändert sich, Ionenkanäle reagieren anders, und es kommt zu einer verstärkten Aktivierung des autonomen Nervensystems. Das spürt man ganz konkret: als Kribbeln in Händen und Füßen, als Wärme oder als veränderte Körperwahrnehmung.
Wie die veränderten Bewusstseinszustände bei Atemarbeit mit beschleunigter Atmung im Gehirn entstehen, wird erst seit wenigen Jahren genauer untersucht. In einer Studie mit Holotropem und verbundenem Atmen hing das Auftreten veränderter Zustände damit zusammen, wie stark der CO2-Gehalt in der Atemluft sank (Havenith et al. 2025). Eine Bildgebungsstudie mit erfahrenen Praktizierenden fand während der stärksten Wirkung eine deutlich verringerte Durchblutung der grauen Substanz (Schmitz et al. 2026). Die oft zu lesende Aussage, dabei fahre das sogenannte Default Mode Network herunter, ist bisher nicht belegt: In dieser Studie veränderte es sich auf Gruppenebene nicht signifikant.





