8 Min. Lesezeit

Holotropes Atmen: Vorbereitung — Das solltest du wissen

Du hast dich für ein Holotropes Atem-Seminar angemeldet, oder überlegst es noch. In beiden Fällen tauchen Fragen auf: Was soll ich mitnehmen? Muss ich vorher meditieren können? Darf ich vorher essen? Die gute Nachricht: Es braucht überraschend wenig äußere Vorbereitung. Die wichtigere Vorbereitung passiert innen. In diesem Artikel gehe ich beides durch, damit du dich am Tag des Seminars auf das Wesentliche konzentrieren kannst: dich selbst.

Praktische Vorbereitung: Was du mitnehmen solltest

Fangen wir mit dem Einfachen an. Für ein Holotropes Atem-Seminar brauchst du keine besondere Ausrüstung, kein spezielles Equipment und keine Yogamatte aus Kork. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die deinen Tag angenehmer machen.

Vorbereitung: Das solltest du wissen

Packliste:

  • Bequeme Kleidung, die nicht einengt. Denke an Jogginghose und weiches Oberteil, nicht an Jeans.
  • Warme Socken. Während der Sitzung kann die Körpertemperatur schwanken.
  • Eine leichte Decke oder ein großes Tuch. Manche Menschen frieren während des Prozesses, andere wollen sich einhüllen.
  • Eine Wasserflasche. Hydration ist wichtig, vorher und nachher.
  • Ein Notizbuch und Stift, falls du nach der Sitzung Gedanken festhalten willst.
  • Optional: Buntstifte oder Pastellkreiden, für das Mandala-Malen nach der Sitzung.

Was du nicht brauchst: dein Handy. Jedenfalls nicht im Seminarraum. Es geht darum, für ein paar Stunden wirklich da zu sein. Nicht erreichbar, nicht abgelenkt. Viele Teilnehmer:innen berichten, dass allein dieses Offline-Sein schon eine kleine Befreiung ist.

Körperliche Vorbereitung: Was dein Körper braucht

Holotropes Atmen ist eine intensive körperliche Erfahrung. Du liegst zwar die meiste Zeit, aber dein Körper arbeitet dabei auf Hochtouren. Je besser du vorbereitet bist, desto freier kann der Prozess ablaufen.

Kein Alkohol und keine Substanzen 48 Stunden vorher. Das ist keine moralische Regel, sondern eine praktische. Alkohol und andere Substanzen beeinflussen dein Nervensystem, deine Wahrnehmung und deine emotionale Durchlässigkeit. Das Holotrope Atmen braucht ein möglichst klares System, um seine Wirkung entfalten zu können. Auch Koffein solltest du am Tag des Seminars reduzieren. Ein Kaffee am Morgen ist kein Problem, drei Espresso vor dem Start schon.

Ausreichend Schlaf in der Nacht davor. Du brauchst keine acht Stunden im Lehrbuch-Sinn, aber versuche, ausgeruht zu kommen. Ein erschöpftes Nervensystem reagiert anders als ein erholtes. Wenn du schlecht geschlafen hast, ist das kein Grund abzusagen, aber es ist gut, das zu wissen und im Vorgespräch zu erwähnen.

Leichte Mahlzeit, kein voller Magen. Iss am Morgen des Seminars etwas Leichtes. Ein Porridge, etwas Obst, ein Stück Brot. Kein ausgiebiges Brunch-Buffet. Der Grund: Beim intensiven Atmen arbeitet dein Zwerchfell stark. Ein voller Magen kann dabei unangenehm werden. Gleichzeitig solltest du nicht hungrig kommen. Dein Körper braucht Energie für den Prozess.

Innere Vorbereitung: Intention statt Erwartung

Das ist wahrscheinlich der wichtigste Teil. Und gleichzeitig der, den man nicht erzwingen kann. Die innere Vorbereitung auf eine Holotrope Atemsitzung ist keine To-do-Liste, die du abhaken kannst. Es geht um eine Haltung.

Setze eine Intention, keine Erwartung. Eine Intention ist eine Richtung: "Ich möchte mich besser verstehen." "Ich bin offen für das, was kommen will." "Ich möchte spüren, was ich im Alltag nicht spüre." Eine Erwartung ist eine Forderung: "Ich will eine bestimmte Erfahrung machen." "Ich muss etwas Besonderes erleben." Erwartungen erzeugen Druck und verengen den Raum für das, was wirklich passieren will.

In der Praxis heißt das: Erlaube dir, neugierig zu sein, ohne zu wissen, worauf. Stanislav Grof, der Begründer des Holotropen Atmens, hat es so formuliert: Die innere Heilungsintelligenz weiß besser als dein Verstand, was gerade dran ist. Dein Job ist es, den Raum zu öffnen. Nicht, das Ergebnis zu bestimmen.

Offenheit kultivieren. Das klingt einfacher als es ist. Offenheit bedeutet, auch unangenehmen Gefühlen Raum zu geben. Es kann sein, dass während der Sitzung Trauer auftaucht, Wut, Angst oder tiefe Freude. Vielleicht passiert auch etwas, das sich nicht in Worte fassen lässt. Die Vorbereitung besteht darin, innerlich die Erlaubnis zu geben: Was auch immer kommt, darf da sein. Ich muss es nicht kontrollieren.

Wenn du in den Tagen vor dem Seminar merkst, dass Nervosität oder Aufregung aufkommt, ist das völlig normal. Viele Teilnehmer:innen berichten das. Es ist kein Zeichen, dass etwas falsch ist. Es zeigt, dass dein System bereits beginnt, sich auf den Prozess einzulassen.

Was du NICHT brauchst

Ich sage das explizit, weil ich in Vorgesprächen immer wieder höre, dass Menschen sich unsicher fühlen, ob sie "bereit genug" sind. Also:

  • Keine Vorerfahrung. Du musst vorher nie meditiert haben, nie Yoga gemacht haben, nie eine Atemübung ausprobiert haben. Holotropes Atmen ist kein Fortgeschrittenenkurs. Es ist eine Methode, die dort ansetzt, wo du gerade stehst.
  • Keine besondere Fitness. Du liegst während der gesamten Sitzung. Es geht nicht um körperliche Leistung. Menschen mit unterschiedlichsten körperlichen Voraussetzungen nehmen an Seminaren teil.
  • Keine spirituelle Praxis. Du musst nicht spirituell sein, um Holotropes Atmen zu erleben. Die Methode funktioniert unabhängig von Glaubenssystemen. Ob du religiös bist, atheistisch oder einfach neugierig, spielt keine Rolle.
  • Kein Wissen über Psychologie. Du musst Stanislav Grof nicht gelesen haben. Du brauchst kein Vorwissen über perinatale Matrizen oder transpersonale Psychologie. Das sind Rahmenkonzepte, die helfen, Erfahrungen einzuordnen. Aber die Erfahrung selbst braucht kein Konzept.

Was du mitbringen solltest: die Bereitschaft, dich auf etwas einzulassen, das du nicht vollständig kontrollieren kannst. Und das Vertrauen, dass du dabei sicher begleitet wirst.

Das Screening-Gespräch: Warum wir vorher mit dir sprechen

Vor jedem Seminar führen wir mit allen Teilnehmer:innen ein persönliches Gespräch. Das ist kein Bewerbungsgespräch und keine Prüfung. Es dient dazu, dich und deine Situation kennenzulernen und sicherzustellen, dass das Seminar der richtige Rahmen für dich ist.

Im Gespräch fragen wir nach deiner aktuellen Lebenssituation, nach eventuellen psychischen oder körperlichen Vorerkrankungen und nach deiner Motivation. Das machen wir nicht aus Neugier, sondern aus Verantwortung. Holotropes Atmen ist eine intensive Methode, und es gibt Situationen, in denen wir ehrlich sagen: Jetzt ist vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt. Oder: Eine therapeutische Begleitung wäre vorher sinnvoll.

Das klingt vielleicht streng, aber es ist das Gegenteil. Es bedeutet, dass wir die Verantwortung für den Rahmen ernst nehmen. Dass du dich im Seminar fallen lassen kannst, weil vorher sorgfältig geschaut wurde, ob alles passt. Das Screening ist Teil des Sicherheitsnetzes, nicht eine Hürde davor.

Wenn du Medikamente nimmst, insbesondere Psychopharmaka, ist das ebenfalls Teil des Gesprächs. Manche Medikamente können die Wirkung des Holotropen Atmens beeinflussen oder umgekehrt. Das besprechen wir individuell und transparent.

Am Tag des Seminars: Was passiert zuerst

Du kommst an und wirst begrüßt. Kein Programm, kein Zeitdruck. Es gibt Raum zum Ankommen, zum Umziehen, zum Durchatmen. Die meisten Teilnehmer:innen sind anfangs ruhig und etwas aufgeregt. Das ist ganz normal.

Dann beginnt eine Einführungsrunde. Wir erklären den Ablauf des Tages, die Methode, die Rollen von Atmer und Sitter, und beantworten offene Fragen. Du erfährst, wie die Musik aufgebaut ist, wie die Begleitung funktioniert und was du tun kannst, wenn es intensiv wird.

Danach findest du deinen Platz, legst dich hin und die Musik beginnt. Ab diesem Punkt gibt es nichts mehr zu tun, außer zu atmen und zu erlauben, was kommt. Das Team ist die ganze Zeit da. Du bist nicht allein.

Nach der Sitzung gibt es Zeit für ein Mandala, das heißt: du bringst deine Erfahrung in Farben und Formen auf Papier. Das muss kein Kunstwerk sein. Es geht darum, das Erlebte auf einer nicht-verbalen Ebene auszudrücken. Anschließend folgt eine Sharing-Runde, in der jeder, der möchte, erzählen kann, was passiert ist. Kein Zwang, kein Kommentar, nur Raum.

Mehr zum genauen Ablauf einer Sitzung findest du in unserem Artikel Anleitung und Ablauf.

Bereit für dein erstes Seminar?

Du brauchst keine Vorerfahrung und keine perfekte Vorbereitung. Was du brauchst, ist die Bereitschaft, dich auf einen Prozess einzulassen. Wir begleiten dich dabei, vom Vorgespräch bis zur Integration danach.